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#beziehungsweise: jüdisch und christlich - näher als du denkst

Liebe Gemeindeglieder,

das Juliplakat der jüdisch-christlichen Plakataktion lässt uns im Sommer über den Sinn und Segen des freien Schabbat beziehungsweise Sonntag nachdenken.

Schabbat

Die Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg führt aus: „Das erste, was in der Bibel heilig genannt wird, ist ein Tag: „Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte“ (Gen 2, 3). Die ersten sechs Schöpfungstage fand Gott „gut“, aber den siebenten Tag erklärte er für heilig.

Heilig bedeutet im hebräischen „abgetrennt, unterschieden sein“. Die Zeit wird gegliedert, indem besondere Zeiten hervorgehoben werden von den übrigen Tagen. Der Schabbat als der siebente Schöpfungstag ist dabei völlig unabhängig von der übrigen Zeiteinteilung durch die Gestirne, wie wir sie im Kalender finden. Er ist nach biblischem Zeugnis von Gott gesetzt, und er ist im besten Sinne universal, nämlich das ganze Universum umfassend. Das begründet die besondere Heiligkeit des Schabbats. Der Schabbat kehrt zwar seit der Schöpfung alle sieben Tage wieder, aber er geschieht nicht von selbst. Er kann unbemerkt vorübergehen, wenn er nicht aktiv von uns Menschen geheiligt wird. Doch wie macht man das? Wie begeht man einen solch besonderen Tag?

In den Zehn Geboten heißt es:

„Gedenke des Schabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Schabbat des Ewigen, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Ewige Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tag. Darum segnete der Ewige den Schabbattag und heiligte ihn.“ (Ex 20, 8-11)

Arbeitsruhe ist also das wesentliche Merkmal des Schabbats. An diesem Tag sollen wir Gott nachahmen, indem wir keine schöpferische Tätigkeit ausüben und uns ausruhen. Dabei geht es nicht darum, den ganzen Tag mit Nichtstun zu verbringen. Schabbatruhe meint den Verzicht darauf, etwas Neues hervorbringen oder Vorhandenes ändern zu wollen. In der Mischnah werden 39 spezifische Tätigkeiten aufgeführt, die unterlassen werden sollen…. Dazu gehören Arbeiten beim Bau, in der Landwirtschaft der Textil- und Lederfabrikation, Vorarbeiten der Essenszubereitung, Feuer anzünden oder löschen. Auch das Tragen, also der Transport von Gegenständen außerhalb des Hauses gehört dazu und der „letzte Hammerschlag“, also die Vollendung einer Sache, selbst wenn es sich nur um wenige Handgriffe handeln würde. Einig sind sich alle darin, dass Verbote übertreten werden können und sollen, sobald dies zur Rettung von Leben notwendig ist..

In der zweiten Fassung der Zehn Gebote, in 5. Mose 5, wird der soziale Aspekt des Schabbats betont. Schabbat ist kein Privileg von freien und gutsituierten Menschen – alle sollen sich der Schabbatruhe erfreuen können: Kinder, Sklaven, Vieh, Fremde. So wie Israel aus der Sklaverei in Ägypten erlöst wurde, sollen alle Geschöpfe an diesem Tag Freiheit erfahren. Wenigstens für einen Tag geben Menschen ihren Anspruch auf Ausübung von Kontrolle und Herrschaft über andere Menschen und über die Natur auf.

Der Schabbat gewährt Zeit für andere Aktivitäten, die unter der Woche vernachlässigt werden. Im Vordergrund steht, Zeit mit der Familie zu verbringen, Gemeindegottesdienste in der Synagoge zu besuchen und sich dem Torahstudium hinzugeben.

Der Schabbat beginnt am Freitagabend mit dem Sonnenuntergang und erstreckt sich bis zum Samstagabend, sobald drei Sterne am Himmel zu sehen sind. Festliche Mahlzeiten im Kreis von Familie und Freunden, werden eingeleitet von Segenssprüchen über Kerzen, Wein und zwei geflochtene Brotzöpfe. Die Gebete und Lieder in der Synagoge preisen Gottes Schöpfungswerk, im Morgengottesdienst steht die Lesung des Wochenabschnitts der Torah im Zentrum. Dieser Text wird auch an diesem Tag studiert bzw. ausgelegt. Diese aktiven Phasen des Schabbats wechseln ab mit Zeiten der Ruhe und des Kraftschöpfens, bis dann am Samstagabend mit der Hawdalah-Zeremonie, dem Segen über Wein, Licht und Gewürze, die Rückkehr in den Alltag erfolgt.“

Der Sonntag als Wochenfeiertag geht auf das Osterereignis zurück: „Am ersten Tag der Woche (dem Sonntag!) gingen die Frauen mit den wohlriechenden Salben, die sie zubereitet hatten, in aller Frühe zum Grab. Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weggewälzt war; sie gingen hinein, aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht. Und es geschah, während sie darüber ratlos waren, siehe, da traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen. Die Frauen erschraken und blickten zu Boden. Die Männer aber sagten zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden.“ (Lk 24,1-6).

Christen, die jüdische Wurzeln hatten, hielten den Sabbat, wie sie es gewohnt waren. Darüber hinaus trafen sie sich am ersten Tag der Woche, dem Sonntag, um sich nach Feierabend gemeinsam an Jesus zu erinnern, miteinander zu essen und Abendmahl zu feiern. Christen mit heidnischem Glaubenshintergrund legten den Wochenfeiertag auf den dies solis, den Tag der Sonne, den „Sonntag“, und nannten ihn „Tag des Herrn“, weil Jesus am dritten Tag nach der Kreuzigung auferstanden ist. In den romanischen Sprachen hat sich diese Bezeichnung noch erhalten: italienisch Domenica und spanisch Domingo leiten sich von Dies dominicus bzw. Dies dominica ab.

Im Jahr 321 erklärte der römische Kaiser Konstantin den dies solis zum arbeitsfreien Wochenfeiertag, ausgenommen waren lediglich dringende landwirtschaftliche Arbeiten.

Im Mittelalter entwickelten sich hinsichtlich der Sonntagsruhe verschiedene Gebote: Es galt dabei als Pflicht für das Seelenheil, am Gottesdienst teilzunehmen. Sonntagsarbeit galt als Frevel.

Den Reformatoren ging es bei der Sonntagsheiligung in erster Linie um den Gottesdienstbesuch. Um diesen auch den unteren sozialen Schichten zu ermöglichen, setzten sie sich für die Arbeitsruhe ein.

In der Neuzeit wurde die Sonntagsruhe durch die fortschreitende Industrialisierung mehr und mehr verdrängt. Maschinen müssen weiterlaufen, landwirtschaftliche Arbeit kann nicht aufgeschoben werden, die öffentliche Sicherheit, die medizinische Versorgung der Menschen und die Versorgung mit Lebensmitteln können nicht ausgesetzt werden.

Die fortschreitende Digitalisierung unserer Gesellschaft trägt mit zum Untergang des Sonntags bei: Stundenlanges Arbeiten am PC im Homeoffice und beim Homeschooling, shoppen am PC rund um die Uhr und selbst die Gottesdienstvideos können zu jeder beliebigen Zeit konsumiert werden. Der Sonntag als Tag der Ruhe und der Erholung, als Tag, an dem ich mit anderen gemeinsam Gottesdienst feiern kann, ist still und unaufhaltsam verdrängt worden.

Wo ist der Sonntag geblieben? Was unterscheidet ihn im öffentlichen Bewusstsein von den übrigen sechs Wochentagen?

Überlegen Sie doch einmal für sich: Was bedeutet Ihnen der Sonntag?

Wie wurde in Ihrer Kindheit der Sonntag begangen?

Was davon hat Ihnen gut getan?

Was hat sich für Sie am Sonntag in den letzten Jahren verändert?

Gibt es ein Sonntagsritual, das den Sonntag zu einem besonderen Tag für Sie macht?

Stellen Sie eine Liste mit Wörtern zusammen, die alle mit Sonntags… beginnen:

Sonntagsanzug, Sonntagsbraten, … . Was davon gibt es noch heute?

Ihre Pfarrerin Irene Vongehr mit Melanie Schneider und Kerstin Janott

Weitere Informationen: www. juedisch-beziehungsweise-christlich.de

de.wikipedia.org/wiki/Sonntag

Auch wir leben mit Corona bedingten Einschränkungen

deshalb können viele unserer Angebote zur Zeit nicht stattfinden.

Bitte informieren Sie sich in einem der Gemeindebüros oder Pfarrämter.

Hier können Sie erfahren, welche Angebote zur Zeit stattfinden.

Auch die Kontaktdaten der für das Angebot Zuständigen bekommen Sie hier.

Angebote für Frauen

Frauenkreis Holzappel                                                                                                            

14tägig Mittwochs im Ev. Gemeindehaus Holzappel

Frauenkreis Horhausen                                                                                                           

14tägig Mittwochs im DGH Horhausen

Frauenkreis Langenscheid                                                                                                     

14tägig Donnerstags im DGH Langenscheid

Frauenkreis Dörnberg                                                                                                             

14tägig Mittwochs im Gemeindehaus

Frauenkreis Eppenrod                                                                                                                   

am 2. Dienstag im Monat im Pfarrgarten oder Pfarrbüro

 

 

 

 

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